Berlin kann nicht warten.
 
 
12. Mai 2010

Schulpraxis in der Lehrerausbildung durch Partnerschaften zwischen Universitäten und Schulen stärken!

Eingebracht von: Mieke Senftleben

 

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:


Das Abgeordnetenhaus fordert den Senat auf, die Vernetzung von Schulen und lehrerbildenden und bildungsforschenden Fakultäten durch den Aufbau eines partnerschaftlichen Netzwerks durch entsprechende Empfehlungen voranzutrei-ben. Dabei sollen folgende Aspekte berücksichtigt werden:

- Durch die Vernetzung werden strukturierte Kommunikationswege und persönliche Kontakte zum Austausch zwischen Schulen und Fakultä-ten geschaffen.
- Die persönliche Vernetzung von Schulpraktikern und den pädagogi-schen Wissenschaftlern, Bildungsforschern und Studierenden fördert frühzeitig die Stärkung schulpraktischer Belange in der Gestaltung der Lehrerbildung sowie die Nutzung fachwissenschaftlicher Impulse vor Ort.
- Durch die Anbindung fachwissenschaftlicher Expertise an die einzelnen Schulen, können Wissenschaftler und Forscher frühzeitig einschätzen und beraten, ob politische Reformaufträge für die einzelne Schule sinnvoll sind und unter welchen Bedingungen sie umgesetzt werden können. So wird formative und summative Evaluation vor Ort ermög-licht, die intern und extern genutzt werden kann.
- Die fachliche Diskussionsebene über Bildungsforschungsergebnisse der einzelnen Schulen wird erweitert und gefördert und beflügelt so die Schulentwicklung vor Ort.
- Lehramtsstudierende sollen sehr frühzeitig in Ihrem Studium durch Kontakte zu den Partnerschulen ihrer Fakultät sowohl persönliche Ein-drücke der Schulpraxis sammeln, als sich auch ehrenamtlich unterstüt-zend vor Ort einbringen. Insbesondere im rhythmisierten Ganztags-schulbetrieb könnten gemeinsam Angebote entwickelt werden, wie Lehramtsstudierende als Klassen- oder Schülerpaten beispielsweise Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe oder andere pädagogische Förde-rung leisten können.

Über die eingeleiteten Maßnahmen und erste Ergebnisse ist dem Abgeordneten-haus bis zum 31.12.2010 zu berichten.

 

Begründung:


Der Senat ist seit Jahren mit dem Erlass von einer Schulreform nach der anderen beschäftigt und erlässt lieber eine neue Reform, anstatt die Schulen vor Ort konkret bei der Umsetzung der letzten und vorletzten zu unterstützen.
Der Senat hat jahrelang versäumt, den Schulpraktikern aus den Ergebnissen von Bildungsforschung, an der sich ihre Schulen beteiligt haben, konkrete Unterstützungsangebote abzuleiten. So hat er zum Verdruss vieler Pädagogen beigetragen, dass Bildungsforschung nicht zur Schulentwicklung, sondern zur Entwicklung neuer Reformen betrieben wird.
Ferner lässt er viele pragmatische und konkrete Unterstützungspotenziale für Schulen ungenutzt. So wird in der „Hauptstadt für die Wissenschaft 2010" die für beide Seiten gewinnbringende Vernetzung von pädagogischer Praxis an den Schulen und pädagogischer Wissenschaft an den Universitäten durch den Senat sträflicherweise vernachlässigt. So gehen bereits existierende begrüßenswerte Initiativen wie „Studenten machen Schule" auf das Engagement einzelner Stu-dierender zurück. Die Initiative wird allerdings nicht systematisch genutzt.
Dabei hat der Aufbau eines partnerschaftlichen Netzwerks zwischen Schulen und Universitäten durch die Etablierung persönlicher Kontakte ungeheure Po-tenziale:

- Persönliche, partnerschaftliche wissenschaftliche Beratung und Betreu-ung an den Schulen erlaubt bessere Schulentwicklung mithilfe intensi-verer Auswertung um Umsetzung von Bildungsforschungsergebnissen.
- Auf der anderen Seite kann die Berücksichtigung des schulpraktischen Bezugs in der Lehrerbildung kontinuierlich gestärkt werden.
- Solange im Rahmen der Lehrerbildung noch keine Aufnahmeverfahren zur Eignungsprüfung der Lehramtsstudierenden realisiert ist, können Studierende durch frühzeitigeren Kontakt mit der Schulpraxis im Rahmen von ehrenamtlichem Einsatz ihre Studienwahl und ihre Vorstellung von ihrem späteren Arbeitsalltag überprüfen.
- Lehramtsstudierende können im Rahmen von Patenschaften konkrete Unterstützungsfunktion an den Schulen übernehmen, sowie neue Im-pulse einbringen. Insbesondere, da in Berlin mehr als 95% (!) aller Leh-rer älter als 35 Jahre sind.
- Nicht zuletzt dürfte die strukturierte partnerschaftliche Vernetzung von Schulen und Universitäten und die daraus folgenden studienbegleiten-den persönlichen Kontakte von Studierenden und Schulen eine Bleibe-wirkung bei den Absolventen erzeugen. Diese ist angesichts des ge-genwärtig nicht zukunftstauglichen Berliner Schulfinanzierungssystems bei der Gewinnung von Nachwuchslehrern nicht zu vernachlässigen.